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BDK - Resolution
Sommerkarneval? Nein! PDF Drucken
Leitlinien des Bundes Deutscher Karneval e.V.

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R e s o l u t i o n

Fasching, Fastnacht und Karneval sind historisch gewachsenes jahreszeitlich gebundenes und landsmannschaftlich geprägtes Brauchtum.

Seine Sinngrundlagen leiten sich aus den Lebensvorstellungen verschiedener Zeitepochen ab:

- aus vegetationsbezogenen, vorchristlichen Sichtweisen ebenso, wie
- aus Glaubens- und Ordnungsvorstellungen des christlichen Kirchenjahres und schliesslich
- aus den sich in nachfolgenden Kulturepochen ausbildenden Lebenseinstellungen.

Seine jahreszeitliche Konzentration gründet sich:

- auf dem nach der Wintersonnenwende liegenden Vorfrühlingsfestkreis,
- aus den von der christlichen Fastenordnung abgeleiteten Vorfastenfeiern und
- aus der sich auf diesen Grundlagen ausbildenden fastnachts- und karnevalsbezogenen Kalendertradition.

Seine besonderen Formprägungen erhält fastnachtliches Brauchtum aus stammesgeschicht-lichen und raumtypischen Eigenarten.

Mit zunehmender Sorge beobachtet der Bund Deutscher Karneval alle Versuche,

- in feste Traditionsräume eingebundene Bräuche zu ex- oder importieren und
- den aus der Lebenssinnordnung abgeleiteten und durch Tradition und Herkommen gefestigten jahreszeitlichen Rahmen zu sprengen.

Dies ist mit der satzungsgemässen Zielstellung des Bundes Deutscher Karneval, fastnacht-liche Bräuche auf traditions- und landsmannschaftlich gebundener Grundlage zu pflegen, unvereinbar.

In begründeter Sorge um den Erhalt einer sinnorientierten Fastnacht fordert der Bund Deutscher Karneval die ihm angeschlossenen Vereine und Verbände auf, Tendenzen dieser Art energisch entgegenzutreten, die lokale Eigenart der am jeweiligen Wirkungsort gewachsenen Traditionsformen in besonderer Weise zu fördern und zu pflegen, sowie öffentliche fastnachtliche Aktivitäten jeder Art ausschliesslich auf den kalendermässig dafür ausgewiesenen Zeitraum zu beschränken.


Eugen Müller
BSF-Präsident und
BDK-Protokollführer

Liebe Freunde unseres fastnachtlichen Brauchtums in Bayerisch-Schwaben!

Beiliegend die Stellungnahme des BDK, verfasst von dessen Vizepräsident Rainer Domfeld zum Thema Halloween, zu welcher auch unser BSF-Verband steht und sich dessen Vereine und Zünfte diese Ausführungen zu Herzen nehmen sollen:

Bei dem Thema Halloween scheiden sich im wahrsten Sinne des Wortes die Geister. Die Fastnachtsfunktionäre sind sich in einem Punkt recht uneinig: Bedroht Halloween unsere traditionelle Fastnacht?

Die etwas gemässigten sind der Meinung, dass man den jungen Menschen nicht vorschreiben könne, was sie tun und Halloween wird genauso schnell wieder verschwinden wie es entstanden ist. Eine Gefahr für den Karneval, den Fasching bestehe nicht.

Andere sehen in Halloween eine der apokalyptischen Reiter, der auf dem besten Wege ist, die Fastnacht in arge Bedrängnis zu bringen. Sie sprechen bereits warnend von der Einhaltung des Reinheitsgebots unserer Fastnacht.

Ich bin der Meinung, dass unser Problem mit Halloween irgendwo zwischen diesen beiden Ansichten liegt. Halloween ist für viele ein bisschen Erntedankfest (wegen den Kürbissen!), ein bisschen St. Martin (wegen dem Umherziehen!) und ein bisschen Fastnacht (wegen der Verkleidung!). Nur, das ist es eben nicht

Die geschichtliche Bedeutung von Halloween

Fragen wir uns zuerst, was ist eigentlich Halloween? In Kürze beschrieben bedeutet Halloween (-All Hallowed Evening – oder auch –All Hallows Eve-geschrieben) wörtlich übersetzt der Vorabend aller Heiligen (oder den Abend vor Allerheiligen). Es war dem Ursprung nach, die irische Form des Totengedenkens. Im Mittelalter nahm man an, dass die Toten in dieser Nacht zurückkehren würden, um ihre Angehörigen zu sehen. Es wird auch behauptet, dass Halloween auf Samhain, ein altes Totenfest keltischer Druiden zurückgehe. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November verabschiedeten sich die Druiden vom Sommer und feierten die Herrschaft des Todesfürsten Samhain, der den Winter regiert.

Historisch oder archäologisch gibt es allerdings keine Hinweise darauf. Mit irischen Auswanderern kam es dann nach Amerika. Nachdem diese Festform verschiedene Entwicklungen durchgemacht hat und sämtliche christlichen Inhalte verloren hatte, wurde es zu dem Kürbis- und Gruselspektakel das wir heute kennen. In dieser Form wurde dann Halloween wieder nach Europa zurückimportiert.

Alles was ich nun schreibe sind meine persönlichen Gedanken zu Halloween. Diese Ansichten versuche ich natürlich mit Argumenten zu untermauern, da ich der Auffassung bin, dass wir von Seiten des Bundes Deutscher Karneval dazu Position beziehen sollten und zwar eine eindeutige.

Zwischen Halloween und Fastnacht muss man zunächst einmal die Gegensätzlichkeiten der Festformen unterscheiden

Halloween bezeichne ich schlicht und einfach als ein „Event“, das uns von oben aufgesetzt wurde. Ein Event kann feiern wer möchte und ist an keine Regeln gebunden. Man bezahlt seinen Eintritt und kann „abfeiern“ nach Lust und Laune. Das Fest wird einem präsentiert. Dies ist ein Phänomen, das gerade die jungen Menschen derzeit sehr stark anspricht. Nicht zu vergessen ist der kommerzielle Gedanke an diesem Event. Ca. 5 Millionen Euro wird derzeit mit Halloween verdient. Völlig klar, dass hier ein gewisses öffentliches Interesse besteht, nicht zuletzt tragen hier auch die Medien ihren Teil dazu bei. Das ist aber völlig legitim, denn man schreibt, was interessiert!

Fastnacht ist eine Festform, die dem christlichen Festzeitraum unserer katholischen Kirche entstammt. Sie ist gebunden an die 40-tägige vorösterliche Fastenzeit. Fastnacht, die Nacht vor der Fastenzeit, Karneval kommt vom lat. Carne vale, was Fleischwegnahme bedeutet und Fasching kommt von Vaschang, was den Ausschank eines Fastentrunks bedeutet.

Fastnacht ist somit eine Feier, die von unten entstanden ist, bei der sich über Jahrhunderte hinweg Bräuche entwickelt haben. Bräuche, die wir heute noch Jahr für Jahr feiern. Würden wir die Fastnacht ausserhalb ihrer historisch gewachsenen Zeitspanne feiern, also ausserhalb von Dreikönig bis Aschermittwoch, so würden wir diesem Fest seine Legitimation entziehen. Wir erkennen das daran, dass es in reformierten Landstrichen keine Fastnacht mehr gibt.

Hinzufügen möchte ich noch, dass man in Gebieten, wo vorrangig Karneval gefeiert wird, auch um den 11.11. herum Fastnacht feiert. Dieser Termin kann mit der ersten 40-tägigen vorweihnachtlichen Fastenzeit begründet werden, die es im Mittelalter ebenfalls gegeben hat. Die Fastnacht ist wie gesagt eine vom Volke gewachsene Festform. Sie ist ein Teil unserer Kultur. Die Fastnacht hat Regeln. Wie sagte schon Goethe:“Lustig ist ein tolles Treiben, wenn es kurz ist und mit Sinn“.

Wir erkennen, dass Halloween und Fastnacht von ihrer Feierform her, zwei völlig unterschiedliche Feste sind und keinesfalls miteinander verglichen werden können. Jeder kann ja zwischenzeitlich (leider) feiern wie und was er will. Wir sollten nur in einem Punkt den Finger erheben.

Dort, wo man eine Vermischung von Halloween und Fastnacht versucht. Beispielsweise durch Mitwirkung von Narrenzünften und Karnevalvereinen an Halloweenumzügen in ihrer Zunftkleidung und Ornaten

Hier müssen die Regionalverbände regulieren und wenn notwendig, konsequent eingreifen. Nimmt eine Zunft oder Gesellschaft in Kürbiskostümen oder Geisterkostümen daran teil, so gebe es meiner Meinung nach nichts einzuwenden, da dies mit ihrer Zunft- oder Gesellschaftskleidung nichts zu tun hat. Ob das jedoch unbedingt sein muss, ist eine andere Frage.

Halloween verulkt das letzte Tabu

Einen anderen Gedanken möchte ich in diesem Zusammenhang noch anführen, der uns im Zusammenhang mit Halloween vielleicht etwas nachdenklich stimmen sollte und den wir auch ruhig in der Öffentlichkeit streitbar vertreten können.

Wir sprechen in unserer heutigen Gesellschaft immer so salopp (... und nicht ungern) von einem Werteverfall in unserer Gesellschaft. Bemerken aber oft nicht, dass diesbezügliche Einflüsse uns schon längst erreicht haben, oder wollen es vielleicht auch gar nicht bemerken, weil es bequemer ist, nur mit dem Finger darauf zu zeigen. Beim äussern einer bestimmten Meinung ist das anderst, da man mit gegenteiligen Meinungen rechnen muss. Man muss argumentieren, auch auf die Gefahr hin, alleine da zu stehen.

Ich möchte auf den Punkt Werteverfall in Bezug auf Halloween kurz zurückkommen. Ich behaupte, es gibt in unserer Gesellschaft keine Tabus mehr, das erkennen wir alleine an den täglichen Talksendungen und Presseveröffentlichungen. Ein Tabu gibt es allerdings noch: Das ist der Tod. Zumindest in diesem Bereich wird Rückhaltung beachtet.

Halloween verulkt aber den Tod, es macht in lächerlich. Dies erkennen wir an den Dekorationen von dessen Veranstaltungen. Ganze Gräberfelder mit Kreuzen, offene (teilweise echte) Särge usw. zieren die Veranstaltungsräumlichkeiten. Alles nachzulesen in den regionalen Pressemitteilungen.

Die Fastnacht ist ein Spiel der verkehrten Welt. Sie soll uns die Endlichkeit vor Augen halten. – Mensch bedenke, aus Staub bist Du geboren und zu Staub wirst Du wieder werden- . Wir erkennen das am besten an uns selbst. Am Fastnachtsdienstag noch ausgelassene Freude und Übermut, am Aschermittwoch ist sprichwörtlich alles vorbei. Natürlich gibt es heute die Fastenzeit im Sinne des Mittelalters nicht mehr, aber dennoch hat alles was wir an Fastnacht tun, einen tieferen Sinn. Unsere fastnächtliche Kleidung verkörpert eine bestimmte Symbolik. Nur wissen das die meisten nicht mehr. Ich sehe es aber als unsere Aufgabe an, dies wieder in das Gedächtnis der Menschen (insbesondere in das der aktiven Fastnachter) zurückzurufen.

Die fastnächtlichen Regeln als Begründung und Argumentation

Wir können aber nur gegen bestehende und kommende Einflüsse, wie beispielsweise Halloween nachvollziehbar argumentieren, wenn wir selbst gewisse Regeln an Fastnacht, am Karneval, am Fasching einhalten oder dafür einstehen, dass diese eingehalten werden. Würden wir Fastnacht noch zusätzlich rund um die Walpurgisnacht, im Sommer und an Halloween feiern, was wollen wir dann noch an Gegenargumenten bringen? Man würde mit Recht sagen, fasst ihr euch an die eigene Nase. Aus diesem Grunde stehe ich ganz persönlich für eine recht enge Auslegung unseres Brauchtums. Versuche, dies auszudehnen haben wir bereits mehr als uns lieb ist.

Was wir immer haben können ist langweilig

Einen weiteren Punkt möchte ich zum Thema „Sommerkarneval“ noch gerne anführen. Alles das, was wir immer und zu jeder Zeithaben können, wird irgendwann einmal langweilig. Wir Menschen brauchen gerade in einer Zeit der totalen Globalisierung Ruhepole, wo wir innehalten können. Wir brauchen Rituale, die immer wiederkehrend sind, die uns Halt geben, auf die man sich verlassen kann. Unsere Fastnacht ist an bestimmte Zeiträume gebunden und vielleicht ist das gerade ihr Jungbrunnen, der sie seit dem 11. Jahrhundert lebendig hielt. Denken wir einmal darüber nach.

Kurz und gut, ich persönlich finde die Verunglimpfung des Todes durch Halloween äusserst geschmacklos und ohne jeglichen Sinn. Die Fastnacht im Gegensatz, ist ein Fest, in dem neben dem Spass und der Freude auch Wissen und Geist steht, oder zumindest stehen sollte.

Die richtige Fastnacht hört dort auf, wo christliche Symbole verunglimpft werden, - Halloween beginnt anscheinend erst dort!

Ich denke, es ist eine Frage des guten Geschmacks und des persönlichen Stil. Nicht alles was neu ist, muss auch unbedingt gut sein.Der Kreis schliesst sich

Fragen wir heute 100 Kinder in den Kindergärten und Schulen, was ihnen zu Halloween und zu unserem Allerheiligen einfällt, dann behaupte ich, dass nahezu alle wissen, was Halloween ist, aber keiner weiss mehr, welcher Sinn hinter dem christlichen Fest Allerheiligen steckt. Ich halte das für sehr bedenklich Und so bin ich wieder bei dem Punkt Werteverfall angekommen, leider!

Unser Zeitfenster ausfüllen

Wir, und hier meine ich alle Verantwortlichen der Fastnacht, des Faschings, des Karnevals können nur für eine Zeitspanne die Entscheidungen mitbegleiten. Ich möchte es als Zeitfenster bezeichnen. Für dieses Zeitfenster sind wir aber verantwortlich. Man wird uns später an diesem Zeitfenster messen. Wir sollten umsichtig und bewusst mit unseren Möglichkeiten umgehen, wenn es aber die Situation erfordert, dann sollten wir auch öffentlich dafür streiten.

Auf der Hauptversammlung 1997 in Trier wurde im Hinblick auf die Gestaltung öffentlicher Traditionsveranstaltungen mehrheitlich folgendes beschlossen:

Oben-ohne-Darbietungen, Striptease, Nacktauftritte und Zoten, die die Grenzen des guten Geschmacks massiv überschreiten, sowie die Darstellung und Verunglimpfung religiöser Empfindungen und Symbole sind eindeutige Auswüchse in der fastnachtlichen bzw. karnevalistischen Brauchpflege im Sinne von § 1, Ziffer 4, Buchstabe h und Ausschlussgründe im Sinne von § 5, Ziffer 5 der BDK-Satzung

Wir feiern und pflegen Fastnacht, Karneval und Fasching, welche das wohl älteste Brauchtum Europas darstellen und ganz klar durch den Kirchenzyklus an eine bestimmte Zeitspanne gebunden sind.

Aus diesem Grunde ist die seinerzeitige Resolution unseres Dachverbandes, dem Bund Deutscher Karneval Köln e.V., unbedingt zu beachten:

Fastnacht- und Karnevalsauftakt ist ab dem 3. November (nicht Allerheiligen und Allerseelen), bis zum Samstag vor dem 1. Adventsonntag möglich. Die närrische Session kann zum Jahresende beginnen. In der alemannsichen Fasnacht ist der Beginn auch oftmals am 6. Januar (Dreikönigstag) mit Häsabstauben. Ende ist ganz klar die Nacht vor Aschermittwoch. Es wird ganz klar unterschieden, zwischen Fastnacht/Karneval feiern und repräsentieren.

Ein närrischer Auftritt oder karnevalistische Veranstaltung kann nicht in der Weihnachtszeit stattfinden (Es wird Pfingsten auch nicht auf die Winterzeit verlegt, oder Ostern wird nicht im Herbst gefeiert.).

Unsere BDK - Vereine sind angehalten, sich an diese Verordnung zu halten.

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