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In Oberstaufen im Westallgäu wird alljährlich am „Fasnatziestag“ die Fastnacht in ganz besonderer Art begangen und das hat nichts mit dem üblichen Mummenschanz zu tun. - Im Jahre 1635 stiftete der Reichsgraf Hugo zu Königsegg, Herr zu Rothenfels und Staufen, den Staufener Fahne und Umzug, um nach Zeiten schwerster Bedrückung und tiefster Niedergeschlagenheit neue Lebensfreude zu erwecken. Hatten schon die Einfälle der Schweden in den Jahren 1630 und 1634 den Bewohnern der Herrschaft Staufen furchtbar zugesetzt, so brachte das Jahr 1635 als schrecklichste Heimsuchung in der Geschichte des Marktes die Pest, die vom Mai bis zum Nikolaustag das Leben von 700 Einwohnern jäh auslöschte.
Durch Mord, Raub, Armut, Tod, Krieg und Seuche hatten die Untertanen von Reichsgraf Hugo von Königsegg-Rothenfels-Staufen keinen Lebenswillen mehr. So lud dieser die Staufener zu sich aufs Schloss, nahm sie gastlich auf und bewirtete sie. Weiter übergab er ihnen eine kostbare Fahne und gebot ihnen, diese alle Jahre am Fasnachtdienstag im Umzug durch den Markt zu tragen und diesen Tag jeweils mit Frohsinn und Ehrbarkeit zu begehen.

So war es nun im Jahre 2010, dass bereits seit 375 Jahren sich vor der achten Morgenstunde die ledigen Burschen im Hause des Bürgerfähnrichs versammeln, wo sie gastlich aufgenommen und bewirtet werden. Jedem der ankommenden Burschen eilt der „Butz“, die historische Symbolfigur des Tages mit einem bunten Gewande, besenschwingend entgegen, „kehrt“ ihn und symbolisiert damit, dass er das Haus “gereinigt“ betretend darf. Beim festlichen Fanfarengruß wird mit gesenkter Fahne am Kirchplatz dieses uralten Ursprungs gedacht. Tausende von Zuschauern säumen dann am Nachmittag den großen Fasnachtsumzug, wobei der „Butz“ mit seinen lustigen Sprüngen alle in Bewegung hält und mit seinem bunten Gewand zum vertrauten Bild des Tages gehört.

In allen Wirtshäusern geht es danach hoch her. Aber einen ernsten Akzent setzt die Stunde des abendlichen Gebetläutens. Kaum hat die Glocke vom Turm der Pfarrkirche ihr Geläute begonnen, gebietet der Fähnrich den Tanz abzubrechen. Es bildet sich im Festsaal ein großer Kreis, welchen der „Butz“ mit drei grossen Runden durchmisst, um dann schließlich wie tot zusammenzubrechen. Trommler nehmen dann die historische Figur und tragen den „Butz“ aus dem Saale, denn nun ist seine Funktion beendet. Er hat seine Rolle ausgespielt (em).
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